Waldbrand im Westerwald: Ausbreitung auf Wohngebiete vorerst gestoppt

Rund 20 Meter trennten die vorrückenden Flammen von den ersten Wohnhäusern der Ortschaft Gebhardshain — eine Distanz, die in der Sprache des Brandschutzes keine Distanz mehr ist. In dieser waldreichen Mittelgebirgsregion im rheinland-pfälzischen Westerwald, etwa 60 Kilometer östlich von Bonn an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen, kämpften rund 300 Einsatzkräfte gegen einen Waldbrand, der zeitweise unmittelbar Wohngebäude bedrohte.

Die Lage hat sich nach Angaben der zuständigen Behörden inzwischen stabilisiert. Björn Jestrimsky, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Landkreises Altenkirchen, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Durch unsere Maßnahmen konnte eine Ausbreitung Richtung Bebauung verhindert werden.“ Eine unmittelbare Gefährdung der Wohngebäude besteht demnach derzeit nicht mehr.

Gleichwohl breitet sich das Feuer weiter in den Wald aus. Jestrimsky beschrieb die operative Strategie der Einsatzkräfte mit bemerkenswerter Nüchternheit: „Wir haben uns gewisse Ziele gesetzt, wo wir das Feuer letzten Endes abfangen werden. Bis dahin lassen wir es derzeit kontrolliert brennen.“ Das gezielte Zulassen einer kontrollierten Ausbreitung in bestimmte Richtungen gehört zu den etablierten Methoden des Großbrandmanagements, wenn eine vollständige Eindämmung kurzfristig nicht möglich ist.

Zuvor waren die Bewohner einer ganzen Straße aufgefordert worden, ihre Häuser sofort zu verlassen. Nach Angaben einer Sprecherin der Verbandsgemeindeverwaltung waren von dieser Evakuierungsmaßnahme 20 Familien betroffen. Die Bevölkerung wurde darüber hinaus aufgerufen, den Bereich rund um die Einsatzstelle weiträumig zu meiden und die Zufahrtswege für die Rettungskräfte freizuhalten.

Neben den Feuerwehrleuten beteiligten sich auch Landwirte aus der Region mit Wasserfässern an den Löscharbeiten — ein in ländlichen Gebieten nicht unübliches Muster der zivilgesellschaftlichen Unterstützung bei Großeinsätzen. Zwei Hubschrauber waren im Einsatz, ein dritter wurde angefordert, um die Löschkapazitäten aus der Luft zu erweitern.

Katastrophenschutzinspekteur Jestrimsky fasste die Lage mit einer Formulierung zusammen, die zugleich Kontrolle signalisiert und Vorsicht einmahnt: „Es brennt noch stark, allerdings da, wo wir wollen“ — und in die Richtung, die die Einsatzkräfte dem Feuer vorgeben. Die Situation bleibt damit angespannt, auch wenn die unmittelbare Gefahr für die Wohnbebauung vorerst abgewendet scheint.