Trump fordert niedrigere Benzinpreise und droht mit Konsequenzen

US-Präsident Donald Trump hat Tankstellenbetreiber öffentlich unter Druck gesetzt, die Benzinpreise für amerikanische Verbraucher zu senken. In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social vom Montagabend erklärte Trump, die Preise seien zu hoch und müssten unverzüglich gesenkt werden. „Es wird keinen Preiswucher geben, das ist absolut illegal“, schrieb er. „Wenn die Tankstellen das nicht tun, stehen uns große Probleme bevor.“

Als Orientierungswert nannte Trump einen Preis von rund 2,50 US-Dollar pro Gallone (umgerechnet etwa 3,785 Liter). Gleichzeitig richtete er eine explizite Warnung an Kalifornien, das zum 1. Juli die Benzinsteuer von 61,4 auf 63,4 Cent pro Gallone anheben wird. Trump bezeichnete diesen Schritt als kontraproduktiv angesichts der bereits angespannten Preislage.

Der Präsident warf den großen Ölkonzernen vor, die Benzinpreise künstlich hochzuhalten, obwohl die Rohölpreise deutlich gefallen seien. „Diese Preise fallen wie ein Stein“, schrieb er bereits vergangenen Mittwoch. Er fügte hinzu, er habe das Justizministerium angewiesen, Ermittlungen gegen die betreffenden Unternehmen einzuleiten, da Kunden systematisch „abgezockt“ würden.

Aus der Branche kam eine zurückhaltende Antwort. Chevron-Finanzchefin Eimear Bonner erklärte gegenüber dem Sender CNBC, die Energieversorger täten, was in ihrer Macht stehe, doch gebe es eine strukturelle Verzögerung zwischen dem Rückgang der Rohölpreise und der Weitergabe dieser Entwicklung an die Zapfsäule. Bonner zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Preise sinken würden, sobald sich die Marktlage weiter normalisiere.

Der Hintergrund der aktuellen Preisentwicklung ist geopolitischer Natur. Seit Beginn des US-Iran-Konflikts im Februar sind die Benzinpreise in den Vereinigten Staaten stark gestiegen; der landesweite Durchschnitt kletterte laut dem Automobilclub AAA deutlich über vier US-Dollar pro Gallone. Experten sehen darin jedoch kein Indiz für systematische Marktmanipulationen, sondern ein bekanntes strukturelles Muster: Benzinpreise steigen schnell und sinken langsam — ein Phänomen, das in der Fachliteratur mitunter als „Rocket and Feather“-Effekt beschrieben wird.

Zu beachten ist ferner, dass die Benzinpreise in den USA nicht von den großen Ölkonzernen direkt festgelegt werden. Es sind vielmehr Zehntausende überwiegend unabhängige Tankstellenbetreiber, die ihre Preise primär an den Großhandelsnotierungen für Kraftstoff ausrichten, welche ihrerseits von den internationalen Rohstoffmärkten bestimmt werden. Die Steuerungsmöglichkeiten einzelner Konzerne sind in diesem dezentralen System strukturell begrenzt.

Trumps Rhetorik erinnert in ihrer Grundlogik an Äußerungen seines Vorgängers Joe Biden aus dem Jahr 2022, als die Energiepreise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine massiv gestiegen waren. Auch Biden hatte damals argumentiert, sinkende Rohölpreise müssten sich unmittelbar in niedrigeren Verbraucherpreisen niederschlagen, und den Öl- und Gaskonzernen vorgeworfen, ihre Gewinne auf Kosten der Verbraucher zu maximieren. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Trump nun konkret die Einschaltung des Justizministeriums ankündigt — ein Schritt, den Biden in vergleichbarer Form nicht unternommen hatte.