EU-Kommission fordert Smart-Meter-Pflicht: 50 Prozent aller Haushalte bis 2030

Brüssel erhöht den Druck beim Smart-Meter-Ausbau

Die Europäische Kommission plant, EU-Mitgliedstaaten gesetzlich zu verpflichten, bis Ende 2030 mindestens die Hälfte aller Endkunden mit intelligenten Stromzählern auszustatten. Bis Ende 2033 soll der Anteil auf 65 Prozent steigen. Deutschland, wo derzeit lediglich 5,5 Prozent der privaten Haushalte über ein solches Gerät verfügen, gehört damit zu den deutlichen Nachzüglern innerhalb der Union.

Die entsprechenden Vorgaben gehen aus einem Entwurf für ein neues EU-Elektrifizierungsgesetz hervor, das die Kommission Ende Juli vorlegen will. Die konkreten Prozentzahlen und Fristen stehen im Entwurf noch in Klammern und können sich damit noch ändern. Dass die Kommission verbindliche Quoten vorschlagen wird, gilt jedoch als gesichert.

Energiepolitischer Kontext: Reaktion auf den Irankrieg

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Elektrifizierung der europäischen Wirtschaft nach dem Ausbruch des Irankriegs zur politischen Priorität erklärt. Ziel ist eine stärkere Nutzung heimischer erneuerbarer Energien und Atomkraft, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten zu reduzieren.

„Insgesamt benötigen wir mehr Energie, weil Datenzentren und Künstliche Intelligenz zunehmen“, erklärte von der Leyen Ende April im Europaparlament. Ein Kontinent mit begrenzten Ressourcen müsse daher bei der Elektrifizierung führend sein.

Wirtschaftlicher Nutzen intelligenter Zähler

Smart Meter ermöglichen es Verbrauchern und Unternehmen, ihren Stromverbrauch präziser zu steuern und von zeitvariablen Tarifen zu profitieren. Darüber hinaus erlauben sie die flexible Einbindung von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen in das Stromnetz.

Energiekommissar Dan Jørgensen verwies vergangene Woche auf das Beispiel Schweden: Haushalte mit Elektroheizungen, die eine Fernsteuerung ihres Verbrauchs zuließen, sparten bereits heute bis zu 40 Prozent ihrer Energiekosten.

Deutschland als Schlusslicht in Europa

Nach Angaben der Bundesnetzagentur verfügen in Deutschland lediglich 5,5 Prozent aller privaten Haushalte über einen intelligenten Stromzähler. Zum Vergleich: In Italien, Spanien, Dänemark, Finnland und Portugal ist die Versorgung bereits nahezu flächendeckend, in Frankreich liegt der Anteil bei knapp 95 Prozent, in Großbritannien bei rund 70 Prozent.

77 von insgesamt mehr als 800 Messstellenbetreibern hatten Ende 2025 noch kein einziges Gerät installiert — obwohl gesetzliche Quoten dies eigentlich vorschreiben. Betroffen sind vorrangig Haushalte mit einem Jahresverbrauch von über 6.000 Kilowattstunden sowie Besitzer steuerbarer Wärmepumpen oder Elektrofahrzeuge.

Hohe Kosten und regulatorische Komplexität als Hemmnis

Bastian Gierull, Geschäftsführer von Octopus Energy Deutschland und Sprecher der Smart-Meter-Initiative, nennt zwei zentrale Ursachen für den schleppenden Rollout: die im europäischen Vergleich hohen Hardwarekosten von 200 bis 220 Euro je Einheit sowie komplexe technische Behördenvorgaben, die er als „deutschen Sonderweg“ bezeichnet.

Insbesondere kleinere Messstellenbetreiber stoßen beim erforderlichen Ausbau ihrer IT-Infrastruktur an ihre Kapazitätsgrenzen.

Steuerreform für Strom: politisch heikel

Das geplante Elektrifizierungsgesetz enthält zudem Vorschläge zur Steuerharmonisierung: Die EU-Kommission will verhindern, dass Strom höher besteuert wird als Erdgas. Die Mitgliedstaaten sollen einen Steuerrahmen schaffen, der die Stromnutzung aktiv begünstigt, und energieintensiven Unternehmen sollen ermäßigte Steuersätze leichter zugänglich gemacht werden.

Die steuerlichen Aspekte des Vorhabens sind politisch sensibel. Im Bereich der Steuerpolitik gilt auf EU-Ebene grundsätzlich das Einstimmigkeitsprinzip im Ministerrat, was Reformen erheblich erschwert. Die vorgeschlagenen Änderungen der EU-Binnenmarktregeln hingegen können mit qualifizierter Mehrheit beschlossen werden — vorausgesetzt, auch das Europäische Parlament stimmt zu.