Putin nennt Schröder als bevorzugten europäischen Vermittler – Berlin weist Vorschlag zurück

Putin schlägt Altkanzler Schröder als Vermittler vor – Bundesregierung lehnt ab

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als seinen bevorzugten europäischen Vermittler im Krieg gegen die Ukraine benannt. Die Äußerung fiel am 9. Mai bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Siegesparade zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Moskau. Die Bundesregierung wies den Vorschlag noch am selben Tag zurück.

„Von allen europäischen Politikern würde ich Gespräche mit Schröder bevorzugen“, erklärte Putin. Zuvor hatte er angemerkt, dass sich die USA bereits um eine Vermittlerrolle bemühten.

Schröder seit Jahren wegen Nähe zum Kreml unter Druck

Schröder steht seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 unter anhaltendem öffentlichen Druck. Der frühere SPD-Vorsitzende pflegte über Jahrzehnte enge persönliche und geschäftliche Beziehungen zu Moskau.

Nach seinem Ausscheiden aus der Politik war Schröder unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG tätig, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Ende Januar 2025 bezeichnete er Russlands Angriffskrieg in einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung als völkerrechtswidrig, fügte jedoch hinzu: „Ich bin aber auch gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger Feind.“

Schröder äußert sich nicht – Berlin spricht von „Scheinangebot“

Das Büro des Altkanzlers teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit, Schröder werde sich zu dem Vorschlag nicht äußern. Aus Berliner Regierungskreisen hieß es hingegen deutlich: Das Angebot reihe sich in eine Serie von Scheinangeboten ein und sei Teil der bekannten hybriden Strategie Russlands.

Deutschland und Europa ließen sich dadurch nicht spalten, so die Einschätzung der Bundesregierung. Die Verhandlungsoption sei nicht glaubwürdig, da Russland seine Bedingungen nicht geändert habe. Als erster Test für eine ernsthafte Verhandlungsbereitschaft Moskaus gelte eine Verlängerung der Waffenruhe durch die russische Seite.

Putin: Krieg neige sich „dem Ende zu“

Auf derselben Pressekonferenz erklärte Putin, er sei zu direkten Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bereit – allerdings unter der Bedingung, dass Selenskyj nach Moskau reise. Selenskyj hatte eine solche Reise bereits ausgeschlossen.

Direkte Verhandlungen in einem Drittland knüpfte Putin an die Voraussetzung einer „belastbaren Friedensvereinbarung“. Mit Blick auf den Kriegsverlauf sagte er zudem: „Ich glaube, dass sich die Angelegenheit dem Ende zuneigt.“ Auf welcher Grundlage er zu dieser Einschätzung gelangt, ließ er offen.

Ablenkungsmanöver angesichts militärischer Rückschläge?

Beobachter sehen in Putins Vorstoß den möglichen Versuch, von jüngsten Entwicklungen an der Front abzulenken. Die ukrainischen Streitkräfte hatten Russland zuletzt empfindliche Schläge versetzt, was Putin innenpolitisch unter Druck setzen könnte.

Auch die diesjährige Siegesparade auf dem Roten Platz lieferte Hinweise auf eine geschwächte militärische Position: Anstelle der in früheren Jahren üblichen Präsentation neuester Waffentechnik wurden lediglich Filmaufnahmen gezeigt.