Eskalation am Persischen Golf: US-Streitkräfte greifen erneut den Iran an – Revolutionsgarden beschießen Stützpunkte in der Region

Die militärische Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hat sich in den vergangenen Tagen zu einer ernsthaften Konfrontation ausgeweitet, deren Dynamik die Stabilität des gesamten Persischen Golfs und die Sicherheit der internationalen Handelsschifffahrt in Frage stellt. Auf Anordnung von US-Präsident Donald Trump führten die amerikanischen Streitkräfte in der Nacht um 23:00 Uhr MEZ eine weitere Angriffswelle gegen Ziele im Iran durch – bereits die vierte seit dem Wiederaufflammen der Feindseligkeiten in der Nacht auf Mittwoch. Das zuständige US-Regionalkommando Centcom bestätigte den Einsatz über die Plattform X und erklärte dessen Abschluss kurz darauf.

Als Ziele nannte Centcom unter anderem iranische Luftabwehrsysteme, Küstenradarstationen sowie Raketen- und Drohnenkapazitäten. Bemerkenswert war der erstmalige Einsatz sogenannter Einweg-Seedrohnen neben konventionellen Kampfflugzeugen und Marineschiffen. Die erklärte operative Absicht lautete, den Iran in seiner Fähigkeit einzuschränken, Handelsschiffe in der Straße von Hormus anzugreifen – einer Meerenge, durch die nach Schätzungen rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt und deren Blockade weitreichende wirtschaftliche Konsequenzen hätte.

Das iranische Staatsfernsehen meldete zunächst mehrere Explosionen in der Nähe der Stadt Sirik sowie westlich von Bandar Abbas; später wurde aus der südwestlichen Provinz Chusestan ein Todesopfer gemeldet. Das iranische Außenministerium verurteilte die Angriffe in scharfen Worten und erklärte, die USA hätten damit alle diplomatischen Bemühungen der vergangenen Monate zunichtegemacht. Teheran warf Washington zudem vor, eine Rückkehr der Unsicherheit in der Straße von Hormus sowie Störungen der internationalen Handelsschifffahrt verursacht zu haben – eine Formulierung, die angesichts der eigenen Rolle der Revolutionsgarden bei der Eskalation einer gewissen Ironie nicht entbehrt.

Am frühen Morgen meldeten die Revolutionsgarden ihrerseits Angriffe auf US-Stützpunkte in mehreren Ländern der Region. Über iranische Staatsmedien verbreiteten sie, einen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien, ein US-Drohnenkommandozentrum in Bahrain sowie Stützpunkte in Kuwait beschossen zu haben. In Bahrain ertönte Luftalarm, und die Regierung forderte die Bevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen. Die jordanische Armee teilte mit, vier iranische Raketen abgefangen zu haben, die vom iranischen Staatsgebiet aus in den jordanischen Luftraum eingedrungen waren. Auch Kuwaits Streitkräfte erklärten laut der staatlichen Nachrichtenagentur Kuna, feindliche Luftziele im Luftraum des Golfstaats abzufangen – ein Bild, das die regionale Reichweite des Konflikts deutlich illustriert.

Den unmittelbaren Auslöser dieser jüngsten Eskalationsspirale bildete ein Vorfall in der Straße von Hormus, bei dem die Revolutionsgarden ein Handelsschiff attackierten und dies als „Warnschüsse“ bezeichneten. In der Nacht auf Sonntag hatten die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben bereits rund 140 militärische Ziele im Iran angegriffen; weitere Einsätze gegen Raketenstellungen, Luftabwehranlagen und Boote der Revolutionsgarden folgten im Verlauf des Sonntags, wie das Wall Street Journal und die New York Times unter Berufung auf US-Regierungsbeamte berichteten.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, ob die Straße von Hormus tatsächlich gesperrt ist. Die Revolutionsgarden hatten erklärt, die Meerenge bleibe „bis auf Weiteres und bis zum Ende der amerikanischen Interventionen in dieser Region gesperrt“. Centcom wies diese Darstellung entschieden zurück: „Der Iran kontrolliert die Meerenge nicht. Der Verkehr fließt.“ Die Diskrepanz zwischen diesen Aussagen ist nicht nur rhetorischer Natur – sie hat unmittelbare Auswirkungen auf die Risikowahrnehmung der Märkte und die Entscheidungen kommerzieller Reedereien.

Die Reaktion der Finanzmärkte ließ nicht lange auf sich warten. An den asiatischen Börsen, die als erste öffneten, stiegen die Ölpreise um rund vier Prozent – ein Anstieg, der die Nervosität der Marktteilnehmer angesichts einer möglichen Unterbrechung der Ölversorgung aus dem Persischen Golf widerspiegelt. Solche Preisbewegungen wirken ihrerseits als Verstärker geopolitischer Spannungen, indem sie den wirtschaftlichen Druck auf alle beteiligten Akteure erhöhen.

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich auf X und erklärte, er sei zutiefst besorgt über die „erhebliche Eskalation“. Eine Rückkehr zu umfassenden Kampfhandlungen hätte nach seiner Einschätzung katastrophale Folgen für die Sicherheit der Region und die Weltwirtschaft. Guterres rief sowohl den Iran als auch die USA nachdrücklich auf, die Verhandlungen unverzüglich wieder aufzunehmen und offene Fragen auf diplomatischem Wege zu lösen. Dieser Appell trifft auf eine Lage, in der Teheran die bisherigen Diplomatiebemühungen für gescheitert erklärt hat – und in der das Risiko einer weiteren militärischen Eskalation mit jeder Angriffswelle messbar zunimmt.