Ölpreis unter 90 Dollar: Wall Street wartet auf Tech-Ergebnisse und Fed-Entscheid

Die Wall Street startete verhalten in die Woche. Während der Ölpreis deutlich nachgab, hielten sich die Anleger angesichts bevorstehender Quartalsberichte und eines möglichen Zinsentscheids merklich zurück.

Den Ausgangspunkt der Entwicklung bildete ein diplomatisches Signal aus Washington: US-Präsident Donald Trump setzte am Wochenende eine Serie von Luftangriffen auf den Iran aus und sprach von „guten Gesprächen“. Diese Ankündigung genügte, um den Ölmarkt spürbar zu bewegen. In der Vorwoche war der Preis der Nordseesorte Brent infolge von Angriffen auf Schiffe im Nahen Osten noch auf über 100 Dollar je Barrel geklettert. Nun fiel er um rund acht Prozent auf knapp 89 Dollar — ein markanter Rückgang innerhalb weniger Handelstage.

Die Aktien der großen Ölkonzerne reagierten entsprechend. Occidental Petroleum verlor 4,1 Prozent, Exxon Mobil gab 1,4 Prozent nach. Die geopolitische Entspannung, so vorläufig sie auch sein mag, entzog dem Energiesektor vorübergehend seinen wichtigsten Kurstreiber.

An den Aktienmärkten in New York hielt sich die Erleichterung über den sinkenden Ölpreis jedoch in engen Grenzen. Der Dow-Jones-Index schloss 0,5 Prozent höher bei 52.210 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 beendete den Handelstag mit einem minimalen Plus bei 7.413 Zählern nahezu unverändert. Der Nasdaq-Index der Technologiebörse gab 0,2 Prozent auf 24.932 Punkte nach.

Die Nervosität der Anleger hatte bereits in der Vorwoche Gestalt angenommen. Hohe Ausgaben für KI-Infrastruktur bei Tesla und der Google-Mutter Alphabet hatten die Märkte verunsichert und die Frage aufgeworfen, ob die jahrelange, durch KI-Euphorie befeuerte Kursrally an Dynamik verliert.

Hinzu kommt der für Mittwoch angekündigte Zinsentscheid der US-Notenbank Fed. Marktteilnehmern zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt derzeit bei 38 Prozent. „Ein Teil der Marktreaktion könnte mit dem aufkommenden Verdacht zusammenhängen, dass vielleicht eine Zinserhöhung ansteht“, erklärte Bill Merz, Stratege bei U.S. Bank Asset Management. Die Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs überlagert damit auch die Impulse vom Ölmarkt.

Unter Druck gerieten zudem Halbleiterwerte. Der entsprechende Branchenindex fiel um 2,2 Prozent. Zwei Faktoren belasteten die Stimmung: der erfolgreiche Börsengang des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT sowie Berichte über Fortschritte Chinas bei der Entwicklung eigener Anlagen zur Chip-Produktion. Beides schürte Sorgen über eine wachsende technologische Konkurrenz für die amerikanische Halbleiterindustrie — ein strukturelles Risiko, das sich durch kurzfristige geopolitische Entspannungssignale kaum ausräumen lässt.