Zur niedersächsischen Kommunalwahl am 13. September haben zahlreiche Kandidatinnen und Kandidaten eine auffällige Wahlkampfstrategie gewählt: Auf ihren Plakaten tritt der Parteiname deutlich zurück – zugunsten der eigenen Person. Der Politikwissenschaftler Philipp Köker von der Leibniz Universität Hannover bewertet diese Praxis als kalkuliertes Vorgehen, das darauf abzielt, über das traditionelle Wählerspektrum der jeweiligen Partei hinaus Stimmen zu gewinnen.
Besonders augenfällig ist das Vorgehen von Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay, dessen Plakate das Logo der Grünen nur noch am Rand tragen. Einige Kandidaten gehen noch weiter und verzichten auf den Parteinamen gänzlich. „Da möchte man vielleicht auch Wählerinnen und Wähler anlocken, die sonst nicht für die Grünen stimmen würden“, erklärt Köker. Die Strategie folgt einer nachvollziehbaren Logik: Je stärker die Persönlichkeit im Vordergrund steht, desto geringer ist die Bindung des Kandidaten an möglicherweise unbeliebte Parteimarken.
Die niedersächsische Kommunalwahl findet alle fünf Jahre statt. Am 13. September entscheiden die Bürgerinnen und Bürger darüber, wer in Städten, Gemeinden, Landkreisen und der Region Hannover künftig Verantwortung trägt – für Entscheidungen, die Schulen, Straßeninfrastruktur, Kindertagesstätten und den öffentlichen Nahverkehr unmittelbar betreffen.
Trotz verbreiteter Kritik an der Plakatflut im öffentlichen Raum bleibt das Plakat laut Köker ein zentrales Instrument der politischen Kommunikation. „Bei Plakaten geht es auch darum, dass Parteien sich in gewisser Weise als Marke darstellen und so Menschen auf sich aufmerksam machen, aber es natürlich auch einen gewissen Wiedererkennungswert gibt, sowohl bei den Botschaften als auch bei den Gesichtern, die da immer wieder zu sehen sind“, so der Politikwissenschaftler. Die Plakatkampagnen dienen damit nicht allein der kurzfristigen Mobilisierung, sondern auch dem langfristigen Aufbau politischer Erkennbarkeit.
Ob die Strategie der Parteinennung im Kleingedruckten tatsächlich neue Wählerschichten erschließt, wird sich am Wahlabend des 13. September zeigen.
