FIFA-Präsident Infantino reist mit Privatjet durch die WM – Klimaschützer üben scharfe Kritik

FIFA-Präsident Infantino: Privatjet-Reisen überschatten das Nachhaltigkeitsversprechen der WM

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat in den ersten zehn Tagen der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika insgesamt 14 Spiele in elf verschiedenen Austragungsstädten besucht. Laut Recherchen mehrerer Medien nutzte der 56-jährige Schweizer dafür ein Privatflugzeug des Typs Gulfstream G650ER, das von Qatar Executive, einer Tochtergesellschaft des FIFA-Sponsors Qatar Airways, bereitgestellt wird. Der Marktwert des Flugzeugs wird auf rund 60 Millionen Euro geschätzt.

Die Reiseroute führte Infantino durch Mexiko-Stadt, Guadalajara, Los Angeles, Vancouver, Kansas City, Houston, Philadelphia, Boston, Monterrey, Atlanta und Miami – allesamt Standorte eines Turniers, das offiziell unter dem Leitbild der Nachhaltigkeit steht.

Klimabilanz: Bis zu 500 Tonnen CO₂ bis zum Turnierende

Das französische Klimaanalyseunternehmen Greenly hat die ökologischen Folgen dieser Reisepraxis quantifiziert. Demnach verursacht eine einzige Flugstunde in der genutzten Gulfstream so viele Treibhausgasemissionen wie ein durchschnittlicher Mensch im Verlauf eines gesamten Jahres.

Sollte Infantino sein bisheriges Reisemuster bis zum Ende des Turniers beibehalten – täglich bis zu zwei Spielorte ansteuern und die verbleibenden Partien ab dem Achtelfinale verfolgen – würde das Flugzeug nach Berechnungen von Greenly zwischen 300 und 500 Tonnen CO₂ ausstoßen.

Zur Einordnung: Diese Menge entspricht dem jährlichen CO₂-Fußabdruck von schätzungsweise 35 bis 55 Personen in Mitteleuropa.

FIFA verteidigt das Reiseverhalten – Greenpeace übt Kritik

Der Weltverband rechtfertigt die Reisepraxis seiner Funktionäre mit pragmatischen Erwägungen. Die FIFA erklärte, man entscheide situationsabhängig zwischen Linienflug und Privatjet – je nachdem, was „effizienter und wirtschaftlicher“ sei. Die anfallenden Reisekosten trägt der Verband.

Greenpeace USA hat sich unterdessen öffentlich in die Debatte eingeschaltet. John Hocevar, Vertreter der Organisation, erklärte auf Instagram: „Wenn die eigenen Spitzenfunktionäre täglich mit Privatjets unterwegs sind, sendet das nicht gerade die Botschaft eines wachsenden Klimabewusstseins.“

Auch weitere Umweltorganisationen und Wissenschaftler kritisieren die Diskrepanz zwischen dem offiziell proklamierten Nachhaltigkeitsanspruch der FIFA und dem tatsächlichen Verhalten ihrer Führungsebene. Der Vorwurf des sogenannten Greenwashings – also der öffentlichkeitswirksamen Betonung von Klimaschutzzielen ohne entsprechende Verhaltensänderung – steht damit im Raum.