FIFA-Führung bekräftigt Rückendeckung für Infantino nach Krisensitzung in Rabat

Im Jahr 2016 übernahm Gianni Infantino das Amt des FIFA-Präsidenten – zunächst als Nachfolger des unter Korruptionsverdacht zurückgetretenen Sepp Blatter, mit dem erklärten Ziel einer institutionellen Erneuerung des Weltverbandes. Seitdem hat Infantino seine Position kontinuierlich gefestigt, auch wenn sein Führungsstil wiederholt zu internen Spannungen geführt hat.

Jüngst geriet der 56-Jährige erneut unter erheblichen Druck, als eine sogenannte Investoren-Affäre innerhalb des Verbandes für Unruhe sorgte. Zahlreiche Mitgliedsverbände drohten öffentlich mit einem Boykott zukünftiger Weltmeisterschaften, und die UEFA entzog Infantino offiziell das Vertrauen – ein in der Geschichte des Verbandes ungewöhnlicher Schritt. Parallel dazu berichtete die britische Zeitung The Times, Infantino habe Marokko die Austragung des WM-Finales 2030 in Aussicht gestellt, sofern das Land seine Unterstützung für den Präsidenten zusichern würde. Die FIFA dementierte diesen Bericht umgehend.

Besonders bemerkenswert war in diesem Zusammenhang die Haltung von Mattias Grafström, dem schwedischen FIFA-Generalsekretär. In einer internen E-Mail hatte er von einer „traurigen Reihe von Ereignissen“ gesprochen und sich damit öffentlich wahrnehmbar von Infantino distanziert – ein Vorgang, der die Tiefe der internen Verwerfungen verdeutlichte.

Vor diesem Hintergrund fand am Mittwoch in der marokkanischen Hauptstadt Rabat eine Krisensitzung der FIFA-Führungsgremien statt. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: In einer offiziellen Erklärung bekräftigten der FIFA-Generalsekretär und die anwesenden Mitglieder der Geschäftsleitung ihre „uneingeschränkte Unterstützung“ für Infantino. Wenig später saßen Infantino und Grafström gemeinsam auf der Tribüne beim Spiel des Africa Cup of Nations der Frauen zwischen Malawi und Sambia – ein demonstratives Signal der Geschlossenheit.

Gleichzeitig räumte der Weltverband in seiner Erklärung prozessuale Fehler ein. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, dem FIFA-Rat und den Mitgliedsverbänden „das Gefühl zu geben, vom Prozess ausgeschlossen zu sein“, und der Vorgang „hätte anders gehandhabt werden sollen“ – eine für die Organisation ungewöhnlich direkte Selbstkritik.

Auf die anhaltende externe Kritik reagierte die FIFA gleichwohl mit einer deutlichen Ansage: Der Verband werde „keinerlei Angriffe auf seine Integrität dulden und alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um seinen Ruf zu verteidigen“.

Trotz der turbulenten Wochen prognostizieren FIFA-Insider, dass Infantino bei der Präsidentschaftswahl im März ohne ernsthafte Gegenkandidatur wiedergewählt wird. Der Grund liegt in der Arithmetik des Verbandes: Die 55 UEFA-Mitgliedsverbände, die mehrheitlich gegen Infantino positioniert sind, verfügen bei insgesamt 211 FIFA-Mitgliedern nicht über eine ausreichende Stimmenmehrheit, um einen Führungswechsel herbeizuführen. Die strukturelle Mehrheit liegt damit weiterhin bei jenen Verbänden aus Afrika, Asien, Nord- und Südamerika, die Infantinos Kurs bislang stützen.