Erneute Eskalation im Roten Meer
Die pro-iranische Huthi-Miliz hat ein ägyptisches Frachtschiff nahe der Meerenge Bab al-Mandab angegriffen und dabei nach Angaben der jemenitischen Küstenwache mindestens sechs Menschen getötet sowie zehn weitere verletzt. Der Vorfall markiert eine signifikante Verschärfung der Lage an einer der strategisch bedeutsamsten Wasserstraßen der Welt.
Bei dem angegriffenen Schiff handelt es sich um die „Tihamah“, ein mit Nahrungsmitteln beladenes Frachtschiff unter ägyptischer Flagge. Laut dem Verkehrsministerium der international anerkannten jemenitischen Regierung feuerten die Huthis drei ballistische Raketen auf das Schiff ab, was einen Brand an Bord auslöste und erhebliche strukturelle Schäden verursachte.
Zwei aufeinanderfolgende Angriffe, sechs Todesopfer
Der Ablauf des Angriffs offenbart eine beunruhigende taktische Dimension. Beim ersten Beschuss kamen vier Besatzungsmitglieder ums Leben — darunter drei pakistanische Staatsangehörige und ein indonesischer Staatsbürger.
Was folgte, verschärfte die humanitäre Dimension des Vorfalls erheblich: Eine weitere Rakete traf die laufende Rettungsaktion und tötete zwei Angehörige der Einsatzkräfte, die damit beschäftigt waren, Tote und Verletzte zu evakuieren. Die Küstenwache dokumentierte diesen zweiten Einschlag ausdrücklich als gezielten oder zumindest billigend in Kauf genommenen Angriff auf Rettungskräfte.
Das britische Sicherheitsunternehmen Ambrey bestätigte, das Schiff sei beschädigt worden, während es etwa 3,3 Seemeilen nordöstlich der Insel Perim vor Anker lag. Die britische Behörde UK Maritime Trade Operations meldete ihrerseits, ein Frachtschiff vor der Küste von al-Mokha sei von einem unbekannten Projektil getroffen worden.
Widersprüchliche Darstellungen, ausbleibende Stellungnahmen
Huthi-nahe Medien bestätigten zwar einen Angriff in der Meerenge Bab al-Mandab, behaupteten jedoch, die „Tihamah“ habe saudiarabische Militärausrüstung transportiert — eine Darstellung, die der Beschreibung des jemenitischen Verkehrsministeriums als Nahrungsmittelfrachter direkt widerspricht. Eine offizielle Stellungnahme der Huthi-Miliz blieb zunächst aus. Saudi-Arabien äußerte sich ebenfalls nicht zu den Berichten.
Das jemenitische Verkehrsministerium machte die Huthi-Miliz vollumfänglich verantwortlich für die Todesopfer, die Verletzten sowie die Schäden am Handelsschiff und bezeichnete die Angriffe als schwerwiegende Folge einer systematischen Destabilisierungsstrategie.
Strategische Bedeutung der Meerenge unter Druck
Der Vorfall erhält sein volles Gewicht erst im geopolitischen Kontext. Die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, hat seit der faktischen Sperrung der Straße von Hormus infolge des Iran-Konflikts als Handelsroute erheblich an Bedeutung gewonnen. Sie gilt als zentrale Alternativroute für saudiarabische Ölexporte.
Die jüngsten Angriffe zeigen, dass auch diese Route zunehmend unsicher wird. Zwei strategisch wichtige Meerengen stehen damit gleichzeitig unter Druck — ein Umstand, der weitreichende Konsequenzen für die globalen Energielieferketten haben könnte.
Es handelt sich um die ersten bekannten Todesopfer durch Huthi-Angriffe auf Handelsschiffe seit dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA und Israel gegen den Iran am 28. Februar dieses Jahres.
Paralleler Vorfall im Golf von Oman
Am selben Tag meldete das US-Militär einen separaten Zwischenfall im Golf von Oman. Ein Marinehubschrauber feuerte zwei Hellfire-Raketen auf das panamaische Frachtschiff Vela Nova ab, nachdem dieses versucht haben soll, die amerikanische Seeblockade iranischer Häfen zu durchbrechen. Beide Vorfälle zusammen illustrieren, wie stark die maritime Sicherheitslage in der Region innerhalb weniger Stunden eskalieren kann.
