Hadsch 2026: Mehr als 1,5 Millionen Pilger in Mekka trotz Iran-Krieg und extremer Hitze

Hadsch 2026: Mehr als 1,5 Millionen Gläubige pilgern nach Mekka

Trotz des anhaltenden Iran-Kriegs und Temperaturen von bis zu 44 Grad Celsius hat in Saudi-Arabien die muslimische Pilgerfahrt Hadsch begonnen. Mehr als 1,5 Millionen Gläubige aus aller Welt sind in die heilige Stadt Mekka gereist, um das wichtigste Ritual des Islam zu vollziehen.

Als erstes Ritual umrundeten die Pilger am Montag sieben Mal die Kaaba – das würfelförmige Zentralgebäude im Innenhof der Großen Moschee. Untergebracht sind die Gläubigen in einer weitläufigen Zeltstadt in der Umgebung Mekkas.

Militärischer Kontext: Flugabwehr zum Schutz der heiligen Stätten

Saudi-Arabien ist seit Beginn des Iran-Kriegs Ziel von Hunderten Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern geworden. Die saudische Flugabwehr hat den Großteil dieser Angriffe abgefangen, dennoch wurden Schäden an Energieinfrastruktur, Wohngebieten sowie an der US-Botschaft in Riad verzeichnet.

Das saudische Verteidigungsministerium veröffentlichte Aufnahmen, die den Einsatz von Flugabwehrsystemen rund um Mekka zeigen. Die Streitkräfte seien beauftragt, den „Luftraum über den heiligen Stätten zu schützen und auf alle Bedrohungen zu reagieren, um die Sicherheit und die innere Ruhe der Pilger sicherzustellen“, erklärte das Ministerium.

Die Pilgerfahrt fällt in eine Phase widersprüchlicher diplomatischer Signale: Seit April gilt eine als fragil eingestufte Waffenruhe im Iran-Konflikt, während aus Washington weiterhin unklare Botschaften über eine mögliche Vereinbarung zur Beendigung des Krieges kommen.

Wirtschaftliche Dimension: Hadsch als bedeutende Einnahmequelle

Das Königreich Saudi-Arabien ist erkennbar bemüht, die Wallfahrt trotz des laufenden Konflikts aufrechtzuerhalten. Der Hadsch gilt neben dem Ölgeschäft als eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes.

Die Kosten für die Pilger sind durch den Iran-Krieg spürbar gestiegen. Fluggesellschaften haben ihre Zuschläge für Treibstoff, Zusatzleistungen und Umbuchungen erhöht. Hadsch-Pakete spezialisierter Reiseveranstalter kosten pro Person häufig 5.000 Euro oder mehr – ein Betrag, für den viele Gläubige jahrelang sparen.

„Ich habe mir mein ganzes Leben lang gewünscht, die Pilgerfahrt zu machen, 40, 50 Jahre lang. Jetzt ist mein Traum wahr geworden“, sagte der 68-jährige Dschreisch Mohammed aus Marokko. Viele Pilger äußerten zudem den Wunsch nach einem Ende des Krieges.

Zu den stärksten Herkunftsländern zählen in diesem Jahr Indonesien mit schätzungsweise 220.000 Pilgern sowie Pakistan und Indien.

Extreme Hitze als zusätzliche Gefahr

Neben dem geopolitischen Kontext stellt die Hitze eine erhebliche Gefahr dar. Am Montag wurden in Mekka 44 Grad Celsius gemessen; für die kommenden Tage werden Temperaturen von bis zu 43 Grad erwartet.

Vor zwei Jahren kamen bei vergleichbaren Hitzebedingungen mehr als 1.300 Pilger ums Leben. Der Hadsch umfasst ausgedehnte Fußmärsche über mehrere Tage, was die körperliche Belastung erheblich erhöht.

Hintergrund: Der Hadsch im Islam

Der Hadsch dauert vier bis sechs Tage und gehört zu den fünf Säulen des Islam. Jeder muslimische Gläubige, der gesundheitlich in der Lage und finanziell imstande ist, die Reise anzutreten, ist angehalten, die Pilgerfahrt mindestens einmal im Leben zu vollziehen.