BMW trotz Gewinnrückgang widerstandsfähiger als Konkurrenten
Im ersten Quartal 2025 verzeichnete BMW einen Gewinnrückgang von knapp einem Viertel und erzielte dennoch einen Nettogewinn von rund 1,7 Milliarden Euro – mehr als Mercedes-Benz (1,4 Milliarden Euro) und Volkswagen (1,6 Milliarden Euro). Trotz eines schwächelnden China-Geschäfts und des Margendrucks durch US-Zölle behauptet sich der Münchner Konzern als stabilster der drei deutschen Automobilhersteller.
Auch beim entscheidenden Indikator der Umsatzrendite im Automobilgeschäft liegt BMW vorn: Die entsprechende Marge erreichte 5,0 Prozent, gegenüber 4,1 Prozent bei Mercedes Cars und 3,3 Prozent beim Volkswagen-Konzern.
Technologieoffenheit als strategischer Vorteil
Der wesentliche Unterschied liegt in der Antriebsstrategie. BMW hat sich zu keinem Zeitpunkt einseitig auf die Elektromobilität festgelegt, sondern setzt konsequent auf Technologieoffenheit – mit Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybriden und reinen Elektrofahrzeugen im parallelen Angebot.
Die sogenannten Flex-Werke des Konzerns erlauben die Fertigung verschiedener Antriebsvarianten auf denselben Produktionslinien. Diese Flexibilität ermöglicht eine schnellere Reaktion auf regionale Nachfrageverschiebungen und sichert eine konstante Kapazitätsauslastung.
Robert Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker RoboMarkets, bewertet BMW deshalb als widerstandsfähiger: „BMW ist derjenige von den drei Autowerken, der sich am stärksten gegen den Abschwung wehrt“, erklärte er gegenüber der ARD-Finanzredaktion.
Volkswagen und Mercedes unter Anpassungsdruck
Volkswagen hat stark auf Elektroplattformen und Skaleneffekte gesetzt. Die Steuerung dieses Wandels über zahlreiche Marken, Preissegmente und Regionen hinweg erweist sich in der aktuellen Umbruchphase als erhebliche strukturelle Belastung.
Mercedes-Benz hatte 2021 angekündigt, bis 2030 dort vollständig auf Elektroantrieb umzustellen, „wo die Marktbedingungen es zulassen“. Von diesem Ziel hat sich der Stuttgarter Konzern mittlerweile distanziert: Bis 2030 sollen nun elektrifizierte Fahrzeuge – Vollelektriker und Hybride zusammen – lediglich bis zu 50 Prozent des Absatzes ausmachen. Bis 2027 plant Mercedes-Benz neben 17 neuen batterieelektrischen Modellen auch 19 neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
Früher Einstieg in die Elektromobilität als Kompetenzgrundlage
BMW verfügt über einen vergleichsweise langen Erfahrungsschatz in der Elektromobilität. Der BMW i3 kam bereits 2013 auf den Markt – er zählte zu den ersten Premiumfahrzeugen, die von Grund auf als reines Elektroauto entwickelt wurden.
„Die Münchner sind frühzeitig auf das Thema Elektro eingestiegen – und das deutlich besser als die Konkurrenz. Deshalb werden sie meiner Meinung nach eher die Trendwende erreichen als die beiden anderen deutschen Autokonzerne“, so Molnar.
„Neue Klasse“ als zentrales Wachstumsprojekt
BMWs strategischer Hoffnungsträger ist die sogenannte „Neue Klasse“, die nächste Generation von Elektrofahrzeugen. Den Auftakt machte der Elektro-SUV iX3, der seit seiner Markteinführung im September 2024 mehr als 50.000 Bestellungen verbucht hat.
Der scheidende BMW-Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse hob hervor, dass die Eroberungsrate beim iX3 besonders hoch sei – ein Indikator dafür, dass BMW in zunehmendem Maße Kunden von Wettbewerbern gewinnt.
Als zweites Modell der „Neuen Klasse“ folgt die vollelektrische Limousine i3, deren Produktion ab August in München anlaufen soll; die Auslieferung an Kunden ist für Herbst 2026 vorgesehen. Automobilexperte Jürgen Pieper ordnet dies im Wettbewerbskontext ein: „Die spektakulären Neuheiten kommen aktuell von den Chinesen – bis auf BMW mit seinen beiden Autos der Neuen Klasse, die machen schon viel Eindruck.“
Europäischer E-Auto-Markt mit deutlichem Wachstum
Der Markteintritt der „Neuen Klasse“ fällt mit einer Belebung des europäischen Elektrofahrzeugmarkts zusammen. Laut dem Herstellerverband ACEA entfiel im ersten Quartal 2025 auf reine Elektrofahrzeuge ein Marktanteil von 19,4 Prozent aller Neuzulassungen in der EU – nach 15,2 Prozent im Vorjahreszeitraum.
BMW profitiert von dieser Entwicklung in messbarem Ausmaß: Die Bestellungen für Elektrofahrzeuge stiegen im ersten Quartal in Europa um mehr als 60 Prozent. Kapitalmarktstratege Molnar bezeichnet BMW als führenden deutschen Hersteller im Elektrosegment und schlussfolgert: „Deshalb glaube ich, dass sie am besten aus dieser Krise herauskommen.“
Diese Einschätzung spiegelt sich auch an den Kapitalmärkten wider: Während die Aktien von Mercedes-Benz und Volkswagen auf Jahressicht Kursverluste verzeichneten, legte die BMW-Aktie um rund elf Prozent zu.
