CSD-Anschlag in Berlin: Wie Abdul Ballout zum islamistischen Attentäter wurde

Ein 21-jähriger Berliner mit deutschem Pass fuhr am Samstag einen Kleinbus in eine Menschenmenge beim Christopher Street Day – und hinterließ einen Toten sowie 31 Verletzte.

Abdul Ballout wurde in Berlin geboren, wuchs in der Stadt auf und spielte nach vorliegenden Berichten Fußball in seinem Kiez. Sein Werdegang zum islamistischen Attentäter wirft Fragen auf, die weit über den Einzelfall hinausgehen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bewerteten die Tat übereinstimmend als islamistischen Terroranschlag. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

Auf dem Mobiltelefon des Attentäters fanden Ermittler ein Bekennervideo, in dem ein vermummter Mann zu sehen ist. Dem RBB zufolge bekennt sich Ballout darin zur Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Zwei seiner Cousins sollen IS-Kämpfer gewesen sein; sein Vater Tawfik B. soll nach Informationen des Spiegel wenige Stunden vor der Tat noch mit ihm telefoniert haben. Ballout hatte demnach zuvor versucht, sich dem IS in Syrien anzuschließen.

Besonders bemerkenswert ist das Bild, das Fachleute aus dem sozialen Umfeld des Mannes zeichnen. Der Extremismus-Berater Thomas Mücke vom Violence Prevention Network berichtete, Sozialarbeiter hätten Ballout als gefasst, vorsichtig, kontrolliert und freundlich wahrgenommen – Eigenschaften, die es nach seiner Einschätzung erheblich erschweren, wirklich an eine Person heranzukommen. Dieses Profil eines nach außen unauffälligen Täters stellt Präventionsbehörden vor strukturelle Herausforderungen, die mit klassischen Gefährder-Indikatoren allein nicht zu bewältigen sind.

Der Fall Ballout fügt sich in ein Muster ein, das Sicherheitsbehörden in Deutschland und Europa seit Jahren beschäftigt: Täter, die im Inland sozialisiert wurden, rechtlich unauffällig blieben und dennoch zur tödlichen Gewalt fähig waren. Die laufenden Ermittlungen der Bundesanwaltschaft werden zeigen müssen, welche Netzwerke den Radikalisierungsprozess begünstigten und ob staatliche Stellen an irgendeinem Punkt hätten eingreifen können.