Was wird hier eigentlich transportiert?
In der Nacht zum Mittwoch hat der fünfte Castor-Behälter aus dem ehemaligen Forschungsreaktor Jülich bei Aachen das Zwischenlager in Ahaus erreicht. Ein Schwerlasttransporter brachte den hochradioaktiven Behälter ohne Zwischenfälle ans Ziel, begleitet von einem Konvoi verschiedener Fahrzeuge über mehrere Autobahnabschnitte quer durch Nordrhein-Westfalen.
Insgesamt umfasst die laufende Transportserie 152 Castor-Behälter, in denen rund 300.000 Brennelement-Kugeln aus dem stillgelegten Jülicher Reaktor eingelagert sind. Es handelt sich damit um einen der umfangreichsten Straßentransporte hochradioaktiver Materialien in Deutschland seit mehreren Jahrzehnten. Die Auftraggeberin der Transporte ist die JEN Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen.
Wie sichert die Polizei diese Transporte ab?
Aus sicherheitstechnischen Gründen werden weder der genaue Transporttermin noch die Fahrtrouten oder mögliche Alternativstrecken im Vorfeld öffentlich bekanntgegeben. Die Polizei sperrt jeweils einzelne Autobahnabschnitte für die Dauer der Durchfahrt. Für den jüngsten Transport kamen schätzungsweise mehrere Hundert Beamte zum Einsatz, sowohl entlang der Strecke als auch an den Start- und Zielpunkten.
Bereits die ersten vier Transporte verliefen ohne Zwischenfälle. Sie fanden in den Nächten vom 24. auf den 25. März, vom 21. auf den 22. April, vom 5. auf den 6. Mai sowie vom 20. auf den 21. Mai statt — stets als Nachtfahrten, um die Beeinträchtigung des regulären Verkehrs zu minimieren.
Wie lange wird die Transportserie dauern?
Die Gesamtdauer der Verlagerung bleibt derzeit offen. Das Transportunternehmen Orano hat beim zuständigen Bundesamt eine Verlängerung der Transportgenehmigung um ein Jahr bis Ende August 2028 beantragt. Ein Sprecher der JEN bezeichnete dies als Maßnahme zur Schaffung eines zeitlichen Puffers. Das Bundesamt nannte keinen konkreten Entscheidungstermin.
Die ursprüngliche Genehmigung war das Ergebnis eines längeren rechtlichen Prozesses. Dem Start der Transportserie Ende März gingen mehrere Gerichtsentscheidungen voraus, die den rechtlichen Rahmen für die Verlagerung des Atommülls von Jülich in das Zwischenlager Ahaus festlegten.
Welchen Widerstand gibt es gegen die Transporte?
Seit Beginn der Transportserie begleiten Proteste die nächtlichen Fahrten. Sowohl in Jülich als auch in Ahaus fanden auch beim fünften Transport Kundgebungen statt. Die Beteiligung blieb jedoch gering: In Jülich versammelten sich laut Polizeiangaben insgesamt neun Personen bei zwei Versammlungen, in Ahaus nahmen auf dem Höhepunkt der Mahnwache rund 30 Personen teil.
Der Kern der Kritik richtet sich gegen den Transport hochradioaktiver Materialien durch eines der am dichtesten besiedelten Bundesländer Deutschlands. Organisierte Protestgruppen hatten bereits im Vorfeld der Transportserie auf die Risiken hingewiesen, ohne jedoch die behördliche Genehmigung gerichtlich stoppen zu können.
