Die Bäckerei Rudolf Neff GmbH aus Karlsruhe, ein 1904 gegründeter Handwerksbetrieb, hat ihre Insolvenz in Eigenverwaltung erfolgreich abgeschlossen. Die Gläubiger stimmten dem Sanierungsplan zu, das Unternehmen firmiert künftig unter dem Namen Bäckerei Neff GmbH und setzt seinen Betrieb fort — allerdings unter erheblich veränderten strukturellen Voraussetzungen.
Von den bislang 19 Filialen an den Standorten Karlsruhe, Weingarten und Rastatt werden lediglich 11 weitergeführt. Der zentrale Produktionsstandort in Karlsruhe bleibt erhalten. Von den zuletzt beschäftigten rund 170 Mitarbeitern behalten 140 ihre Stelle; 30 Beschäftigte scheiden aus dem Unternehmen aus, darunter auch durch betriebsbedingte Kündigungen. Die Kanzlei Lieser, die das Verfahren begleitete, bezeichnete das Ergebnis als „bemerkenswertes Resultat“ angesichts der anhaltend schwierigen Lage in der Branche.
Die strukturellen Ursachen der Insolvenz sind branchenbekannt und keineswegs auf diesen Einzelfall beschränkt. Handwerksbäckereien sind energieintensive Betriebe, deren Produktionskosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Hinzu kommen wachsende Personalausgaben — nicht zuletzt infolge mehrfach angehobener gesetzlicher Mindestlöhne — sowie ein ausgeprägter Fachkräftemangel. Der Wettbewerbsdruck durch industrielle Backshop-Ketten sowie die Backstationen des Lebensmitteleinzelhandels und der Discounter verschärft die wirtschaftliche Lage klassischer Handwerksbetriebe zusätzlich.
Die Unternehmensführung übernimmt nun Simon Reich in fünfter Generation der Gründerfamilie. Reich erklärte, man schlage „heute ein neues Kapitel auf“ und werde die Bäckerei Neff „mit neuen Perspektiven weiterentwickeln“. Die Kontinuität der Familiengeschichte über mehr als 120 Jahre hinweg bleibt damit formell gewahrt, wenngleich der operative Umfang des Betriebs spürbar reduziert wurde.
Der Fall steht nicht isoliert. Die Bäckerei Messing in Berga (Sachsen-Anhalt) meldete zuletzt ebenfalls Insolvenz an — fünf Filialen und rund 20 Arbeitsplätze sind betroffen. Die Konditorei Wahl GmbH aus Bestensee (Brandenburg) befindet sich in einer vergleichbaren Lage: Dort bangen mehr als 400 Beschäftigte in 54 Filialen um ihre berufliche Zukunft. Diese Häufung von Insolvenzen im Backwarengewerbe illustriert, dass der wirtschaftliche Druck auf arbeits- und energieintensive Handwerksbetriebe struktureller Natur ist und sich mit kurzfristigen Maßnahmen allein kaum abfedern lässt.
