Das gescheiterte Vorhaben von Fifa-Präsident Gianni Infantino, Anteile an den Premiumprodukten des Weltfußballverbandes an private Investoren zu veräußern, zieht nun rechtliche Konsequenzen nach sich. Am vergangenen Freitag erhielt Infantino gemeinsam mit anderen hochrangigen Funktionären der Fifa ein Schreiben der multinationalen Anwaltskanzlei Dechert LLP, die im Auftrag der Europäischen Fußball-Union (Uefa) handelt. Das Schreiben, das die Süddeutsche Zeitung auszugsweise zitiert, umfasst sechs Seiten und enthält eine unmissverständliche Klageandrohung, die den Konflikt zwischen den beiden mächtigsten Institutionen des Weltfußballs auf eine neue Ebene hebt.
Dechert LLP, ein Unternehmen mit mehr als 900 Juristen weltweit, legt in dem Schreiben zunächst dar, welchen Aufbewahrungspflichten Infantino und die Mitarbeiter in den verschiedenen Fifa-Standorten — von Zürich über Miami bis New York — ab sofort unterliegen. Die Botschaft ist eindeutig: Sämtliche relevante Unterlagen sind mit sofortiger Wirkung zu sichern und dürfen weder vernichtet noch verändert werden.
Im Zentrum der rechtlichen Auseinandersetzung steht die sogenannte Fifa Forward Enterprise (FFE), ein von Infantino geplantes Tochterunternehmen des Weltverbandes, über das private Investoren rund 20 Prozent der Anteile an den Premiumprodukten der Fifa hätten erwerben können. Der anfänglich genannte Gesamtwert dieses neu zu gründenden Unternehmens belief sich auf rund 20 Milliarden US-Dollar. Die Uefa teilte Infantino über das Anwaltsschreiben mit, dass sie „aktiv rechtliche Schritte, Schiedsverfahren und/oder Beschwerden bei Aufsichtsbehörden in Erwägung zieht, die sich aus dem von der Fifa vorgeschlagenen FFE-Plan und allen damit zusammenhängenden Angelegenheiten ergäben“. Die Androhung ist damit nicht auf einen einzelnen Rechtsweg beschränkt, sondern lässt bewusst mehrere Verfahrenswege offen.
Das juristische Vorgehen der Uefa fügt sich in eine breitere Oppositionsbewegung gegen Infantino ein, der für März 2027 seine Wiederwahl anstrebt. Als erster nationaler Mitgliedsverband entzog der walisische Fußballverband FAW öffentlich seine Unterstützung für eine erneute Kandidatur des Fifa-Präsidenten. In einer zitierten Erklärung gegenüber Sky News begründete der FAW diesen Schritt mit dem Hinweis, dass „die jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen dazu geführt haben, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen“. Die Verbände Serbiens und Schwedens schlossen sich dieser Position in der Folge an.
Parallel zu diesen Entwicklungen sah sich die Fifa veranlasst, Medienberichte über angebliche Interventionsversuche Infantinos beim US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump zurückzuweisen. Die britische Tageszeitung The Times hatte berichtet, Infantino habe nach dem Scheitern seiner Investorenpläne und angesichts wachsender Kritik an seiner Amtsführung Kontakt zu Trump und Mitgliedern seines Kabinetts gesucht. Der Mediendienst der Fifa wies diese Darstellung auf der Plattform X als „frei erfunden“ zurück und erklärte, der Fifa-Präsident habe in den vergangenen Tagen weder den US-Präsidenten noch ein Mitglied seiner Regierung kontaktiert. Ob dieses Dementi die Debatte über Infantinos Amtsführung zu beruhigen vermag, bleibt angesichts des laufenden rechtlichen und institutionellen Drucks offen.
