„The Sports Bra“: Die Sportsbar, die ausschließlich Frauensport zeigt – und damit Millionen umsetzt

Ein einziges Konzept, konsequent umgesetzt: In Portland, Oregon, läuft auf keinem einzigen Bildschirm Männersport. Das Ergebnis ist ein millionenschweres Unternehmen, das eine Frage aufwirft, die weit über die USA hinausreicht.

Jenny Nguyen eröffnete „The Sports Bra“ im Jahr 2022 mit gerade einmal 40 Sitzplätzen. Die Bar im US-Bundesstaat Oregon folgte von Beginn an einem strikten Programmprinzip: Auf allen Bildschirmen läuft ausschließlich Frauensport. Kein NFL-Spiel, kein NBA-Finale, keine Männer-Weltmeisterschaft. Was damals als gewagtes Nischenprojekt galt, hat sich inzwischen zu einem kommerziell messbaren Erfolg entwickelt, dessen genaue Umsatzzahlen zwar nicht vollständig öffentlich sind, der aber in Branchenkreisen als millionenschweres Geschäftsmodell eingestuft wird.

Der Standort ist dabei nicht zufällig gewählt. Portland trägt den informellen Titel „Soccer City, USA“ und verfügt über eine überdurchschnittlich aktive Fangemeinde im Frauenfußball. Nguyen beschreibt Frauenbasketball und Frauenfußball als die verlässlichsten Publikumsmagneten ihres Hauses. Hinzu kommen Volleyball, Tennis und Turnen – Sportarten, die im regulären Sportsbar-Betrieb kaum Sendezeit erhalten, bei „The Sports Bra“ jedoch regelmäßig ein volles Haus garantieren. Diese Nachfrage war stets vorhanden; das Angebot fehlte schlicht.

Das Modell basiert auf einer strukturellen Marktlücke. Frauensport wird im klassischen Fernsehprogramm und in herkömmlichen Sportbars systematisch unterrepräsentiert, obwohl die Zuschauerinnenzahlen in mehreren Disziplinen seit Jahren kontinuierlich steigen. Die NWSL, die nordamerikanische Frauenfußballliga, verzeichnete zuletzt Rekordattendancezahlen; die WNBA erlebt seit dem Aufstieg von Spielerinnen wie Caitlin Clark eine breitere mediale Aufmerksamkeit. „The Sports Bra“ hat diesen Trend nicht erzeugt, aber frühzeitig institutionell antizipiert.

Die Frage, ob ein solches Konzept auf europäische Märkte übertragbar ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. In Städten mit einer starken Tradition im Frauenfußball – London, Barcelona, Lyon oder Berlin – existiert eine potenzielle Stammkundschaft. Die strukturellen Voraussetzungen unterscheiden sich jedoch: Übertragungsrechte, Sendezeiten und die Fragmentierung des europäischen Sportmarkts stellen andere Anforderungen als der weitgehend zentralisierte US-amerikanische Ligabetrieb. Gleichwohl zeigt das Beispiel Portland, dass ein klar definiertes Angebot eine bislang diffuse Nachfrage bündeln und wirtschaftlich tragfähig machen kann. Das ist keine ideologische These, sondern eine empirisch belegte Beobachtung.