Zwei Münchner Experten – ein Kriminalhauptkommissar der Polizei und eine ehemalige Polizistin, die heute Selbstverteidigungskurse anbietet – haben konkrete Empfehlungen formuliert, wie Frauen und Mädchen ihr Sicherheitsgefühl im öffentlichen Nahverkehr stärken können. Anlass ist eine nüchterne statistische Realität: Auch in einer der sichersten deutschen Großstädte bleibt das Unsicherheitsgefühl unter Frauen messbar hoch.
Statistisch belegte Vorfälle in einer sicheren Stadt
Die Münchner Polizei registrierte im vergangenen Jahr 31 Fälle sexueller Belästigung gegen Frauen und Mädchen im U-Bahn-Bereich, nach 37 Fällen im Vorjahr. Körperverletzungsdelikte im selben Bereich wurden 153 Mal erfasst, gegenüber 132 Fällen im Jahr zuvor. Diese Zahlen hat die Behörde auf Anfrage zusammengestellt.
Sie korrespondieren mit einer Umfrage, die zeigt, dass sich ein Viertel junger Frauen in der U-Bahn nicht sicher fühlt. Das subjektive Unsicherheitsgefühl deckt sich dabei nicht zwingend mit strafrechtlich relevanten Vorfällen. Kriminalhauptkommissar Ralph Kappelmeier, der im Dezernat 10 der Münchner Polizei für Prävention und Opferschutz zuständig ist, formuliert es knapp: „Das soll nicht sein, aber es passiert.“
Vorbereitung als zentrales Element
Judith Ludwig, ehemalige Polizistin und Selbstverteidigungstrainerin, die mit ihrem Angebot „SafeHer“ speziell Frauen adressiert, betont die Bedeutung der mentalen Vorbereitung. Wer sich im Vorfeld Klarheit darüber verschafft, welche Situationen das eigene Sicherheitsgefühl beeinträchtigen können, reagiert im Ernstfall überlegter. Die entscheidende Frage lautet demnach: Ab welchem Moment empfindet man eine Situation als bedrohlich?
Ludwig empfiehlt, sich im Voraus zu vergegenwärtigen, wie man reagiert, wenn jemand die persönliche Distanzzone unterschreitet, welche verbalen Übergriffe man als inakzeptabel bewertet und wo die eigenen Grenzen liegen. Diese Reflexion, so die Trainerin, sei individuell und lasse sich nicht auf eine universelle Schwelle reduzieren.
Kappelmeier bekräftigt diesen Ansatz. Übergriffe – ob verbaler oder körperlicher Art – kämen zu jeder Tages- und Nachtzeit vor und seien nicht auf bestimmte Orte beschränkt. Ein unangenehmer Kommentar oder ein aufdringlicher Blick genüge bereits, um das Sicherheitsgefühl zu erschüttern, ohne dass dabei eine Straftat im rechtlichen Sinne vorliegen müsse.
Kursangebote als ergänzende Maßnahme
Neben der mentalen Vorbereitung verweisen beide Experten auf praktische Selbstverteidigungskurse als sinnvolle Ergänzung. In München bieten mehrere Träger entsprechende Programme an, darunter die Stadt selbst, der Münchner Frauennotruf – der auch Kurse für ältere und mobilitätseingeschränkte Frauen organisiert – sowie die Volkshochschule. Das Angebot richtet sich an Frauen und Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen und körperlicher Voraussetzungen.
